Sunday, April 02, 2006

Christen in Afghanistan

Im Spiegel findet sich ein Artikel über die Situation von Christen in Afghanistan. Da ich die englische Version desselben gelesen habe, kann ich über mögliche Textabweichungen in der deutschen Fassung keine Aussage treffen.

Haschim Kabar kennt die Angst. 20 Jahre ist es her, dass er sich für das Christentum entschied. Damals war es kein Tabu, als Afghane zu konvertieren. "Es gab viele Kirchen, sowohl in Kabul als auch auf dem Land", erzählt er. "Damals lebten die Religionen hier fast friedlich zusammen." Erst mit dem Einzug der Taliban Mitte der neunziger Jahre wurde alles anders. Mullah Omar befahl seinen Männern, Kirchen dem Erdboden gleichzumachen, afghanische Christen zu lynchen, christliche Ausländer zu töten oder zu verjagen.

Viele von Haschims Freunden sind damals ums Leben gekommen. "Sie folterten Gefangene so lange, bis sie die Namen von anderen Christen rausrückten. Dann brachten die Taliban sie um und suchten nach neuen Opfern." Warum er selbst überlebte, weiß er nicht. Zweimal war er in Haft, wurde stundenlang verhört. Doch es gab keine Beweise. "Ich kannte ja die Suren und Gebete aus dem Koran noch sehr gut, also habe ich ihnen vorgespielt, ich sei ein braver Muslim", sagt er fast ein bisschen stolz.

Dass die Taliban verschwunden sind, hat für Menschen wie Haschim nicht viel geändert. Immer wieder wurden Konvertiten verfolgt, ins Gefängnis gesteckt oder von Nachbarn ermordet. Der Westen bekam davon nicht viel mit, auch im Fall Rahman war das eher Zufall. Die 2004 verabschiedete Verfassung, die Religionsfreiheit garantiert, nutzt wenig. "Viele in der Justiz sind Imame oder Kleriker. Die Verfassung interessiert die wenig", sagt Haschim.

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