Monday, March 06, 2006

"Tal der Wölfe" ist ein Film für den Frieden

Fragt man einen Antisemiten, was ihm durch den Kopf geht, dann antwortet er für gewöhnlich: "Mir geht es um den Frieden". Das klingt paradox, ist jedoch sehr stringent. Wer "die" Juden als das Böse schlechthin wahrnimmt, als Repräsentanten all dessen, was dem allgemeinen Glück im Wege steht, für den bedeutet Frieden nichts anderes als Judenmord.

Ähnlich verhält es sich beim Antiamerikanismus: Gibt es die USA nicht mehr, ist alles in Butter. Kein Wunder also, dass die Drehbuchautoren des antiamerikansichen und antisemitischen Films "Tal der Wölfe" die Auffassung vertreten, es handele sich bei dem antismerikanischen Metzelstreifen um einen Beitrag zum Weltfrieden handele.


Erstmals stellten sich heute die beiden Drehbuchautoren des umstrittenen türkischen Actionfilms "Tal der Wölfe" der deutschen Presse. Von antisemitischer und antiamerikanischer Hetze wollten sie nichts wissen: Ihr Film sei ein zutiefst pazifistischer Antikriegsfilm.

[...]

Auf die unterschiedlichsten Nachfragen antworteten die beiden türkischen Filmemacher stets mit derselben Generalauskunft: "Tal der Wölfe" sei ein "Antikriegsfilm". Was derzeit im Irak passiere, sei "ein Drama, eine Tragödie für die Menschen". Und: "Dieser Tragödie soll Einhalt geboten werden."

Im Grunde ist das ganze Geballer und Gemorde also ein einziger pazifistischer Aufruf, ein Friedensappell im Geiste der Lessing'schen "Ringparabel". Beileibe kein gewalttätiger Action-Film, kein türkisches Pendant zu "Rambo", in dem endlich einmal die Amerikaner und Juden die Bösen sind.

"Antisemitismus"? Nur weil im Film ein jüdischer Arzt toten Muslimen Organe aus dem Körper schneidet und sie nach Tel Aviv, London und New York schickt?

"Nein, nein, glauben Sie uns, wir haben keine Vorurteile, wir sind keine Antisemiten!", sagt Bahadir Özdener. Wer so etwas behaupte, reiße einzelne Szenen aus dem "Gesamtzusammenhang". Eine pure Verleumdung. Genauso gut könne man darüber streiten, ob der oder jener Darsteller einen weißen oder schwarzen Anzug tragen solle. Im Übrigen müsse man die fraglichen Szenen "ausdiskutieren".

Offenbar hat die betreuende PR-Agentur aus Hamburg den beiden geraten, sich vor der deutschen Presse als durch und durch friedliebend, multikulturell und diskussionsbereit zu präsentieren. Das Problem ist nur: Diskutieren wollen oder können sie gar nicht. Man soll ihnen einfach glauben. Wer dazu, vor allem nach Inaugenscheinnahme des umstrittenen Films, nicht bereit ist, sondern ihn immer noch für eine wüste antiamerikanische, antikurdische, antiwestliche und antisemitische Kolportage hält, ist selbst ein Rassist, der "dem Osten", den Türken, Arabern und Muslimen nichts als Böses unterstellt.

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