Thursday, March 02, 2006

Kommandante el-Masri

Man erinnere sich daran, wie sehr sich die Deutschen darüber geärgert haben, dass die Vereinigten Staaten die Drecksarbeit machen und Terroristen auf europäischem Boden verfolgen.

Natürlich handelt es sich da um Geheimdienstaktionen, von denen der einfache Bürger nicht viel mitbekommt, aber den europäischen Behörden kann man im War on Terror nicht vertrauen. Man denke zum Beispiel daran, dass ein italienisches Gericht der Meinung war, Terroristen für den Jihad im Irak zu rekrutieren, sei eine legale Aktion.

Terrorismusexperten gehen davon aus, dass der zentrale Schauplatz des War on Terror in Zukunft Westeuropa sein wird. In England werden Ausbildungslager vermutet, in denen Terroristen für den globalen Jihad ausgebildet werden und europäische Islamisten kämpfen Seite an Seite mit Zarqawi's Al-Qaeda-Banden im Irak. In Pakistan geht man davon aus, dass die Terroranschläge in London Modell für weitere Suicideangriffe auf westliche Ziele waren.

Weshalb sollten die Vereinigten Staaten also keine Terroristen auf europäischem Boden jagen? Weshalb sollten sie nicht in Koordination mit europäischen geheimdiensten versuchen, weitere Anschläge zu verhindern?

Stein des Anstosses für die deutsche Empörung war die Entführung des bundesrepublikanischen Staatsbürgers Khaled el-Masri. US-Cowboys hätten einen unschuldigen Deutschen willkürlich entführt, wurde damals kolportiert. Dass der US-Geheimdienst guten Grund hatte, den Mann zu verhaften, kann man bei Focus nachlesen:


Der nach Afghanistan verschleppte Deutsch-Libanese Khaled el-Masri war Kommando-Chef einer radikalen Bewegung im Libanon, berichtet FOCUS.

Der Deutsch-Libanese kommandierte nach Informationen der deutschen Geheimdienste eine 16-köpfige bewaffnete Gruppe im Libanon. Das geht FOCUS zufolge aus dem 273 Seiten umfassenden Geheimbericht der deutschen Sicherheitsbehörden an das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) hervor.

Demnach war el-Masri zu Beginn der 80er-Jahre führendes Mitglied der radikalen Bewegung el-Tawhid. Die ideologisch der Moslembruderschaft nahe stehende Organisation bekämpfte in erster Linie die als unislamisch geltende Sekte der Alaviten im Libanon. Das Einsatzgebiet von el-Masri und seiner Truppe soll Tripoli gewesen sein.

BKA-Beamter mit Alibi
In den vergangenen Jahren fiel der Ex-Kämpfer den Nachrichtendiensten laut FOCUS durch zahlreiche Auslandsaufenthalte auf. Er reiste in die Arabischen Emirate, nach Marokko, Jordanien und in mehrere Länder Osteuropas.
Der BKA-Beamte Gerhard L. hat FOCUS zufolge ein lückenloses Alibi für die Zeit, in der el-Masri von einem Deutschen namens „Sam“ im Irak vernommen worden sein will. Am 17. und 18. Mai 2004 etwa saß Terrorfahnder L. nachweislich in seinem BKA-Büro in Berlin. Auch beim Rückflug el-Masris über Albanien nach Deutschland kann der Verdächtigte nicht, wie von el-Masri behauptet, an Bord einer CIA-Maschine gewesen sein. Laut FOCUS schob der Beamte seinen Dienstausweis in eine Stechuhr des BKA und ging in sein Berliner Büro.