Thursday, February 09, 2006

"Spirale der Gewalt" neu entdeckt

Sobald von Israel die Rede ist, wird sofort - gleich einem pawlowschen Reflex - von einer "Spirale der Gewalt" gesprochen. Dieser Terminus dient dazu, Israel die Schuld in die Schuhe zu schieben: Es wird die Illusion erweckt, dass - würde Israel nur aufhören, sich gegen den Terror zur Wehr zu setzen - die "Gewalt" ein Ende haben könne.

Nun wir dieser Terminus auf den Cartoon-Jihad übertragen. So schreibt zum Beispiel eine gewisse Katja Schmid für den Heise Zeitschriftenverlag:


Denn wenn das Bild selbst ein Akt der Gewalt sein sollte, dann wäre das Zeigen des Bildes eine Wiederholung des Gewaltaktes. Das müsste man vermeiden, wenn man die Spirale der Gewalt durchbrechen oder man sich nicht zum Erfüllungsgehilfen der jeweiligen Gewalt-Bild-Produzenten machen möchte.

Auch der EU-Ratsvorsitzende Schüssel macht sich diesen Terminus zu eigen:

Bundeskanzler und EU-Ratsvorsitzender Wolfgang Schüssel (ÖVP) hat sich erschüttert gezeigt über Darstellungen auf der Homepage einer moslemischen Immigrantenorganisation (Arab-European League) in Antwerpen und über den Aufruf der iranischen Zeitung "Hamschahri" zu einem Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb, in dem das Leid der Juden in Karikaturform dargestellt werden soll.
"In diesen Zeichnungen werden Tatsachen in Frage gestellt, über die es bisher auch in weiten Teilen der moslemischen Welt keine Diskussion gab. Ich rufe auf, diese Spirale der gegenseitigen Provokationen und Beleidigungen zu beenden", appellierte Schüssel heute in einer Aussendung.
Weder herabwürdigende Karikaturen über Mohammed noch das Leugnen des Holocaust bzw. beschämende Witze über den Holocaust würden in eine Welt passen, in der das Zusammenleben der Kulturen und Religionen von gegenseitigem Respekt geprägt sein sollte, so Schüssel.

Dieser Logik zufolge waren es die Mohammed-Cartoons, welche jenen Mechanismus der "Spirale" in Gang setzten. Die Bilder selbst seien ein "Gewaltakt" und hätten damit begonnen einen Automatismus in Gang zu setzen, der nur zu unterbrechen sei, wenn man den islamistischen Drohungen nachgebe.


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